Interview mit Dierk Müller
Bitte stellen Sie kurz Ihr Unternehmen vor und zwar aus ganz persönlicher Sicht: Aus welchem Motiv heraus haben Sie die Müller Möbelwerkstätten damals gegründet und was verbinden Sie damit?
Wir haben als kleines Unternehmen begonnen und sind auch ganz bewusst nicht über ein bestimmtes Maß gewachsen. Wir haben uns von Anfang an auf eine Nische konzentriert: Die Produktion von designorientierten Möbeln. Über die Jahre hat sich dieses Konzept für uns als sehr erfolgreich erwiesen, was sich besonders durch die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Designern zeigte.
Die Gründung der Firma erfolgte schlichtweg aus Tradition, genauer Familientradition. Die Begeisterung für schöne Möbel liegt fest in unserer Familie verankert. Unsere Familie hat bereits seit 1868 schöne, hochwertige Möbel und Inneneinrichtungen gefertigt und dies unter anderem am Pariser Königshof. Herkömmliche Arbeiten wie Fenster und Türen waren nicht unser Geschäft. So war auch schon mein Vater als namhafter Kunsttischler bekannt. Ich selber schlug zunächst eine kaufmännische Richtung ein, da man mir attestierte, als Linkshänder wäre ich für die Tischlerei ungeeignet. Kurz nach dem Krieg war dies tatsächlich noch so üblich. Die kaufmännische Ausbildung ermöglichte mir jedoch einen anderen Blick auf die Gegebenheiten des Marktes, was sich mir als Handwerker sicher nicht so eröffnet hätte. Nach kurzer Zeit in der Möbelindustrie brachte mich die Zusammenarbeit mit Architekten und Designern auf die Idee, mich mit einem eigenen Unternehmen selbständig zu machen.
Sie haben ein sehr großes Sortiment an schönen Designermöbeln. Das bekannteste Produkt aber ist wohl die Stapelliege von Rolf Heide, die 1967 von dem hamburger Designer entworfen wurde. Wissen Sie, wie es zu dem Entwurf gekommen ist?
Rolf Heide hat in den 60er Jahren als Designer und Architekt Zeitschriften wie „Brigitte“ und „Schöner Wohnen“ beraten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Idee, dass zerlegbare Möbel doch eine neue und sehr interessante Sache sind. Die Wohnkultur änderte sich mit dem freieren Denken der 60er: Die ersten Wohngemeinschaften entstanden und so wie sich die Wohnsituationen änderten, änderten sich auch die Möbel. Sie wurden transportabler und variabler. Und dieser Gedanke wurde durch Wohn- und Frauenzeitschriften weiter verbreitet. Zudem wurde bereits damals neben einem schönen Design schon auf Nachhaltigkeit geachtet. Gemäß des in den 60er Jahren geborenen grünen Gedankens, wurde die Liege als qualitativ hochwertiges Möbel konzipiert, welches möglichst langlebig sein sollte. Die Stapelliege ist ein echtes Produkt der sechziger Jahre und aus dem damaligen Lifestyle und Designdenken entstanden.
Ist die Stapelliege eigentlich seit Ihrer Geburt bei den Müller Möbelwerkstätten gefertigt worden?
Ja, fast. Nach nur einem Jahr bei einem anderen Unternehmen wird die Stapelliege nun ununterbrochen bei Müller produziert. Ich lernte Rolf Heide zufällig über einen Freund kennen und nach kurzer Zeit waren wir uns über eine Zusammenarbeit einig. Wir begannen mit einer großen Produktpalette, die neben der Stapelliege unter anderem einen Rolltisch, eine Sofabank und noch viele weitere Möbel umfasste. Wohl gemerkt alles zerlegbar!
Außerdem passte die Rolf Heide Kollektion gut in unsere damals noch sehr kleine Produktion. Wir waren eher eine Tischlerei als eine Produktionsstätte. Die Möbelproduktion wuchs dann erst mit den Jahren. Und das nicht zuletzt auch durch das Erfolgskonzept der Stapelliege. Auch heute noch nennen wir uns bewusst Möbelwerkstatt und nicht Möbelproduktion und möchten uns damit eine gewisse Exklusivität bewahren.
Worin besteht Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis der Stapelliege?
Das Erfolgsrezept der Stapelliege besteht aus den drei Zutaten zeitloses Design, unglaubliche Praktikabilität und hohe Qualität. Die Stapelliege ist ein sehr praktisches, stabiles und langlebiges Möbel. Design und Funktion gehen hierbei Hand in Hand. Man kann auf zwei gestapelten Liegen bequem schlafen und zwar ohne, dass etwas verrutscht. Nimmt man das obere Bett herunter, so erhält man zwei Betten, die sich bei Bedarf leicht umstellen lassen. Schnarcher z.B. können so ganz leicht ausquartiert werden.
Außerdem haben wir die Liege immer weiter entwickelt und neuen Anforderungen angepasst. So wurden neue, modernere Lattenroste entwickelt, die Komforthöhe entstand und es wurden verschieden Holzarten verwendet. Die Komforthöhe ist besonders praktisch für ältere Menschen, die nicht mehr so einfach aus der Hüfte aus einem niedrigen Bett steigen möchten. Aber auch die Kinderliege ist ein Volltreffer unter unseren Neuentwicklungen und fand besonders bei den Medien großen Anklang. Die Idee wurde mit vielen Veröffentlichungen belohnt. So passten wir weiterhin die Stapelliege mit Erfolg immer den aktuellen Bedürfnissen unserer Kunden an.
Geschehen derartige Anpassungen eigentlich nach wie vor in Rücksprache mit Herrn Heide?
Ja, immer. Auch mit 80 Jahren achtet Rolf Heide sehr darauf, dass sein ursprüngliches Design nicht ohne seine Zustimmung geändert wird. Aber diese Art der Zusammenarbeit ist für uns selbstverständlich. Die Komforthöhe haben wir z.B. direkt mit Rolf Heide zusammen entwickelt. Für ältere Menschen, die jung geblieben sind, zu denen sich der Designer auch selber zählt.
Vielleicht ist dies ein weiterer Faktor, der zum Erfolg der Liege beiträgt: Wir haben sehr darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter der Liege – ihre Seele – beizubehalten und nicht zu verfälschen und trotzdem den Anschluss zu neuen Trends und modernen Anforderungen zu finden.
Die Stapelliege ist bei Concona seit langem eines der erfolgreichsten Produkte und die Nachfrage reißt nicht ab. Wie viele Stapelliege haben Sie denn insgesamt über die lange Zeit schon produziert?
Das kann ich nicht genau sagen aber mehrere Hunderttausend dürften es über die nunmehr rund 40 Jahre schon gewesen sein. Und die Tendenz steigt. Wir haben immer noch ein bisschen was draufgelegt.
Ist die Stapelliege eigentlich eine deutsche Erfolgsstory oder trifft sie auch in anderen Ländern auf Begeisterung?
Die Stapelliege ist doch eher ein deutsches Phänomen. Es gibt zwar z.B. in England einige Händler, bei denen die Liege sehr gut läuft, aber kein Nachbarland kann mit der Begeisterung der Deutschen für die Stapelliege mithalten. Jedes Land hat wohl seine ganz speziellen nationalen Vorlieben und die Stapelliege ist eben echtes deutsches Kulturgut. Darauf sind wir auch ein bisschen stolz – auf unser gutes Heimspiel.
Wie hat sich die Produktion der Stapelliege über die Jahre entwickelt?
Da hat sich natürlich technisch in der Produktion Einiges getan. Heute wird die Liege auf modernen CNC-Maschinen gefertigt. In den Anfängen haben wir aber jahrelang mit Kopierfräsen gearbeitet, was nicht so einfach war. Dennoch haben wir immer eine gleichbleibend hohe Qualität abgeliefert. Die Materialien, wie das sehr robuste Schichtholz, was man wirklich nur mit einer Säge kaputt bekommt, sind immer noch die gleichen wie seit Beginn. Aber die Fertigung auf neuesten CNC-Maschinen hat die Probleme des Fertigungsprozesses einfach vollständig gelöst.
Sie haben bestimmt schon einige Anfragen zu Sonderanfertigungen erhalten. Was war denn die außergewöhnlichste Liege, die Sie gefertigt haben?
Da gab es so viele verschiedene Kundenwünsche, die wir über die Jahre erfüllt haben, dass ich da keine einzelne Sonderanfertigung benennen kann. Es sind einfach zu viele schöne Stücke dabei gewesen. Zu den außergewöhnlichsten zählt sicher die Chromvariante der Liege. Dies ist zwar keine Sonderanfertigung, da sie Teil unseres festen Sortiments ist, aber dies ist eine Variante, die wirklich etwas Besonderes ist. Eine Stapelliege mit Chromlackierung zu machen, war wirklich eine „glänzende“ Designidee.

Stapelliege (Modell weiß mit Birkenkante)
Mitte der 60er Jahre wurde die Stapelliege von dem hamburger Designer und Architekten Rolf Heide entworfen und gilt schon seit langem als echter Designklassiker. Wir hatten Gelegenheit, mit Dierk Müller, dem Gründer der Müller Möbelwerkstätten und seit über 45 Jahren Hersteller der Stapelliege, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen:
Concona: Herr Müller, bitte stellen Sie kurz Ihr Unternehmen vor und zwar aus ganz persönlicher Sicht: Aus welchem Motiv heraus haben Sie die Müller Möbelwerkstätten damals gegründet und was verbinden Sie damit?
Dierk Müller: Wir haben als kleines Unternehmen begonnen und sind auch ganz bewusst nicht über ein bestimmtes Maß gewachsen. Wir haben uns von Anfang an auf eine Nische konzentriert: Die Produktion von designorientierten Möbeln. Über die Jahre hat sich dieses Konzept für uns als sehr erfolgreich erwiesen, was sich besonders durch die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Designern zeigte.
(weiterlesen…)